Warum Natural Greatness getrocknetes Fleisch im Trockenfutter verwendet und weshalb 41 % mehr sein können als 70 %
Auf einer Packung stehen 70 % frisches Huhn. Auf der anderen 41 % Kaninchen. Die Entscheidung scheint klar. Sie ist es nicht, denn die beiden Zahlen messen nicht dasselbe.
Genau daraus entsteht das häufigste Missverständnis beim Trockenfutter. Wir bekommen diese Frage regelmäßig, zuletzt unter einem Beitrag auf Facebook: "41 % Fleisch ist aber wenig." Verständlich, wenn direkt daneben Marken mit 60, 70 oder 80 Prozent werben. Nur: Diese hohen Zahlen beschreiben in den meisten Fällen nicht das, was am Ende in der Krokette landet.
Dieser Beitrag erklärt, wie Fleischangaben bei Trockenfutter zustande kommen, warum getrocknetes Fleisch eine höhere Aussagekraft hat als frisches, und wie du zwei Futtersorten in wenigen Minuten selbst vergleichst. Mit der Kaninchen-Rezeptur von Natural Greatness als konkretem Rechenbeispiel.
Warum zwei Fleischangaben nicht vergleichbar sind
Rechtliche Basis für die Kennzeichnung von Tierfutter in der EU ist die Verordnung (EG) Nr. 767/2009. Sie regelt, welche Angaben auf die Verpackung müssen und in welcher Form. Sie verbietet ausdrücklich irreführende Angaben. Und trotzdem entsteht genau hier das Missverständnis.
Der Grund ist das sogenannte Mixing-Bowl-Prinzip. Die Prozentangaben beziehen sich auf die Rohware, so wie sie in die Mischung eingebracht wird. Nicht auf das fertige Produkt im Sack. Wer also 70 % frisches Huhn in den Mischbehälter kippt, darf 70 % frisches Huhn deklarieren, auch wenn davon nach der Verarbeitung nur ein Bruchteil übrig bleibt.
Das ist nicht illegal und es ist auch keine böse Absicht. Es ist schlicht eine Angabe, die man kennen muss, um sie richtig zu lesen.
Was beim Trocknen mit Fleisch passiert
Frisches Fleisch besteht zum größten Teil aus Wasser. Je nach Tierart und Teilstück sind das etwa 70 bis 80 Prozent. Der Rest ist das, worauf es ernährungsphysiologisch ankommt: Protein, Fett, Mineralstoffe.
Trockenfutter dagegen hat am Ende eine Restfeuchte von unter 10 Prozent. Das Wasser muss also raus. Aus 1 kg Frischfleisch bleiben nach der Trocknung ungefähr 250 bis 350 Gramm konzentrierte tierische Substanz übrig. Der Umrechnungsfaktor liegt damit grob zwischen 3 und 4.
Umgekehrt heißt das: Getrocknetes Fleisch hat den Wasserverlust bereits hinter sich. Wenn 26 % getrocknetes Kaninchenfleisch in die Mischung gehen, sind diese 26 % im fertigen Futter praktisch noch vorhanden. Bei frischem Fleisch schrumpft die Zahl während der Produktion massiv.
Das Rechenbeispiel: 70 % frisch gegen 41 % gemischt
Nehmen wir zwei Futtersorten, wie sie im Regal nebeneinander stehen könnten.
Futter A wirbt mit 70 % frischem Huhn. Rechnet man den Wasserverlust heraus, bleiben davon im fertigen Trockenfutter ungefähr 18 bis 23 Prozent Fleisch. Die restlichen rund 50 Prozentpunkte waren Wasser, das im Extruder verdampft ist.
Futter B ist die Kaninchen-Rezeptur von Natural Greatness mit 41 % Fleisch gesamt. Diese 41 % setzen sich so zusammen:
- 26 % getrocknetes Kaninchenfleisch
- 10 % frisches Kaninchenfleisch
- 3 % hydrolysiertes Kaninchenfleisch
Die 26 % getrocknetes Fleisch bleiben nahezu vollständig erhalten. Vom frischen Anteil bleiben nach dem Trocknen etwa 3 Prozentpunkte übrig, das hydrolysierte Fleisch ist ebenfalls bereits aufgeschlossen. Unter dem Strich landen ungefähr 30 bis 34 Prozent Fleisch in der fertigen Krokette.
Die Marke mit der kleineren Zahl auf der Packung hat also den höheren tatsächlichen Fleischgehalt. Anders gesagt: Die 26 % getrocknetes Kaninchenfleisch allein entsprechen einer Frischfleischmenge von rund 90 bis 105 Prozent, die dafür ursprünglich eingesetzt werden musste.
Beim Nassfutter gilt diese Rechnung nicht
Wichtig, damit du die Zahlen nicht über Futterarten hinweg vermischst: Bei Nassfutter bleibt das Wasser im Produkt. Eine Dose hat typischerweise um die 75 bis 80 Prozent Feuchtigkeit, und genau deshalb sind Angaben wie 70 % Fleisch dort realistisch und direkt nachvollziehbar.
Ein Nassfutter mit 70 % Fleisch und ein Trockenfutter mit 41 % Fleisch lassen sich also nicht gegeneinander stellen. Wer beides sauber vergleichen will, rechnet auf Trockensubstanz um, also auf den Zustand ohne Wasser. Für den Alltag reicht meist eine einfachere Regel: Vergleiche Trockenfutter mit Trockenfutter und Nassfutter mit Nassfutter.
Warum wir nicht mit der größeren Zahl werben
Es wäre technisch möglich, dieselbe Rezeptur mit einer deutlich größeren Zahl zu bewerben, indem man die getrockneten Anteile in Frischfleisch-Äquivalente umrechnet. Das machen wir bewusst nicht.
Eine Zahl, die den Wasseranteil mitzählt, den es im Produkt gar nicht mehr gibt, hilft dir bei der Kaufentscheidung nicht. Sie sieht nur besser aus. Uns ist lieber, du weißt genau, welche Zutat in welcher Form enthalten ist, und kannst dann selbst entscheiden. Deshalb findest du bei allen Produkten in unserem Trockenfutter-Sortiment die vollständige Zusammensetzung mit Prozentangaben.
Frisch, getrocknet, hydrolysiert: drei Formen mit drei Aufgaben
Eine gute Rezeptur kombiniert bewusst verschiedene Formen derselben Proteinquelle. Jede erfüllt einen anderen Zweck.
Getrocknetes Fleisch
Die konzentrierte Proteinbasis. Es bringt die tierische Substanz stabil und in bekannter Menge ins Futter, ohne dass unterwegs Wasser verloren geht. Wichtig ist dabei, was genau getrocknet wurde. In der Kaninchen-Rezeptur ist es ausschließlich Muskelfleisch, keine Innereien.
Frisches Fleisch
Es wird bei Natural Greatness direkt vor dem Kochprozess zugegeben, im Niedrig-Temperatur-Extrusionsverfahren. Der Beitrag zur Gesamtproteinmenge ist nach dem Trocknen klein, für Geschmack und Akzeptanz aber relevant.
Hydrolysiertes Fleisch
Hier wurde das Protein enzymatisch in kleinere Bausteine zerlegt. Das macht es sehr gut verdaulich und verbessert die Schmackhaftigkeit. In hypoallergenen Rezepturen spielt diese Form eine Rolle, weil kleinere Proteinbruchstücke vom Immunsystem seltener als Fremdstoff erkannt werden.
Ein zweites Beispiel aus dem Sortiment
Wie unterschiedlich Deklarationen aufgebaut sein können, zeigt die Wild-Recipe. Dort stehen 29 % dehydriertes Enten-, Puten- und Hühnerfleisch an erster Stelle, dazu kommen 10 % frisches Kaninchenfleisch und 4 % hydrolysierte Hühnerleber.
Diese Rezeptur arbeitet also mit mehreren Proteinquellen. Für einen gesunden, aktiven Hund ist das kein Nachteil, im Gegenteil. Für einen Hund mit Verdacht auf Futtermittelunverträglichkeit ist dagegen eine Monoprotein-Rezeptur die bessere Wahl, weil sich nur so eingrenzen lässt, worauf er reagiert. Mehr dazu findest du in unserem Beitrag zu hypoallergenem Hundefutter mit Hase.
Mehr Prozent bedeutet nicht automatisch besser
So wichtig der Fleischanteil ist: Er ist ein Kriterium von mehreren. Vier Punkte, die genauso zählen.
Welches Fleisch es ist. "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse" ist eine Sammelbezeichnung, unter die vieles fällt. "Getrocknetes Kaninchenfleisch (26 %)" ist eine überprüfbare Angabe. Zwischen diesen beiden Formulierungen liegt ein großer Qualitätsunterschied, auch wenn die Prozentzahl identisch wäre.
Woher das Protein kommt. Ein hoher Rohproteinwert auf der Analyse sagt noch nicht, dass das Protein tierisch ist. Erbsenprotein und Kartoffelprotein heben den Wert ebenfalls. In getreidefreien Rezepturen erfüllen sie eine sinnvolle Funktion für Struktur und Aminosäureprofil, sie sollten nur nicht die eigentliche Proteinquelle ersetzen. Schau deshalb auf die Reihenfolge: Steht das Fleisch vorne oder wurde es von pflanzlichen Konzentraten überholt?
Die Rohasche. Sie zeigt den Mineralstoffgehalt an und gibt einen Hinweis darauf, wie viel Knochenanteil im verarbeiteten Material steckt. Sehr hohe Werte sprechen für einen hohen Anteil an Knochen und Bindegewebe im eingesetzten Fleischmaterial.
Die Art der Deklaration. Bei einer offenen Deklaration steht jede Zutat mit ihrem Prozentanteil da. Bei einer halboffenen sind die Zutaten nur der Menge nach sortiert. Bei einer geschlossenen stehen nur noch Gruppenbezeichnungen. Je offener, desto besser kannst du vergleichen.
Braucht dein Hund überhaupt möglichst viel Fleisch?
Diese Frage stellt kaum jemand, dabei ist sie berechtigt. Der Hund ist kein reiner Fleischfresser, sondern verwertet auch pflanzliche Bestandteile. Was er braucht, ist ausreichend hochwertiges, gut verdauliches Protein plus ein passendes Verhältnis von Fett, Kohlenhydraten, Mineralstoffen und Vitaminen.
Verdaulichkeit schlägt dabei Menge. 30 Prozent Protein aus gut verwertbarem Muskelfleisch bringen mehr als 38 Prozent aus schwer verdaulichem Material. Deshalb sagt die reine Prozentzahl auf der Packung so wenig über die Qualität aus.
Dazu kommt die Lebensphase. Ein junger, aktiver Hund hat einen anderen Bedarf als ein ruhiger Senior. Hunde mit Neigung zu Übergewicht profitieren eher von einer moderaten Energiedichte als von der höchstmöglichen Fleischzahl, weshalb die Kaninchen-Rezeptur genau für diese Gruppe empfohlen wird. Und bei bestimmten Diagnosen, etwa an Niere oder Leber, kann eine gezielte Reduktion der Proteinmenge sinnvoll sein. Das gehört in tierärztliche Hand und nicht auf eine Verpackungsvorderseite.
So vergleichst du zwei Trockenfutter in drei Minuten
- Schau, welches Wort vor dem Fleisch steht. "Frisch" bedeutet, dass die Zahl den Wasseranteil enthält. "Getrocknet" oder "dehydriert" bedeutet, dass sie es nicht tut.
- Rechne Frischfleisch um. Teile den Prozentwert durch 3,5. Das ist eine Näherung, aber sie bringt dich in die richtige Größenordnung.
- Addiere alle Fleischpositionen. Manche Hersteller listen dieselbe Proteinquelle in mehreren Formen. Erst die Summe ergibt ein Bild.
- Lies die ersten fünf Zutaten. Sie machen den Großteil der Rezeptur aus. Was hier steht, entscheidet über die Qualität.
- Prüfe die analytischen Bestandteile. Rohprotein, Rohfett und Rohasche gehören zusammen betrachtet, nicht einzeln.
- Zähle die tierischen Proteinquellen. Eine einzige ist bei sensiblen Hunden ein Vorteil, weil du im Zweifel etwas ausschließen kannst.
Dieselbe Logik gilt übrigens auch bei Snacks. Dort ist der Maßstab noch einfacher, weil ein guter Kausnack aus genau einer Zutat besteht. Wie das aussieht, zeigen die Hasenohren für Hunde aus unserem Sortiment.
Warum wir so ausführlich antworten
Wenn jemand unter einer Anzeige nachfragt, wie sich 41 % Fleisch aufschlüsseln, bekommt er von uns die vollständige Zusammensetzung. Nicht, weil das ein Verkaufsargument wäre, sondern weil eine Frage zur Zusammensetzung eine ehrliche Antwort verdient.
Wir sind ein kleiner Betrieb in Höchst in Vorarlberg und arbeiten bewusst mit wenigen Partnern, deren Rezepturen wir im Detail kennen. Wenn du zu einem Produkt aus dem Hundefutter-Sortiment eine Frage hast, egal ob zur Deklaration, zur Herkunft oder zur Umstellung, schreib uns an office@lupiora.at. Bei Verdacht auf eine Futtermittelunverträglichkeit sprich zusätzlich mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt, dort gehört eine Ausschlussdiät hin. Für tierärztlich begleitete Fälle findest du bei uns die Veterinär-Diät-Linie.
Das Wichtigste in Kürze
Fleischangaben auf Trockenfutter beziehen sich auf die Rohware vor der Verarbeitung. Frisches Fleisch verliert dabei 70 bis 80 Prozent seines Gewichts, getrocknetes Fleisch nicht. Eine Rezeptur mit 41 % Fleisch, von dem der größte Teil bereits getrocknet eingesetzt wird, enthält am Ende mehr tierische Substanz als eine Rezeptur mit 70 % Frischfleisch.
Die große Zahl auf der Vorderseite sagt wenig. Die Zutatenliste auf der Rückseite sagt alles.
Häufige Fragen
Ist getrocknetes Fleisch schlechter als frisches Fleisch?
Nein. Beides sind klar definierte Rohwaren. Getrocknetes Fleisch ist Fleisch, dem das Wasser entzogen wurde. Für Trockenfutter ist es sogar die aussagekräftigere Angabe, weil der Wasserverlust bereits eingerechnet ist. Entscheidend ist nicht die Form, sondern welches Ausgangsmaterial verwendet wurde.
Wie rechne ich Frischfleisch in den tatsächlichen Fleischanteil um?
Teile den angegebenen Prozentwert durch etwa 3,5. Aus 70 % frischem Fleisch werden so ungefähr 20 % im fertigen Trockenfutter. Das ist eine Näherung, weil der Wassergehalt je nach Tierart und Teilstück schwankt.
Wie viel Fleisch steckt wirklich in der Kaninchen-Rezeptur?
Deklariert sind 41 % gesamt, davon 26 % getrocknet, 10 % frisch und 3 % hydrolysiert. Im fertigen Futter entspricht das rund 30 bis 34 Prozent tierischer Substanz. Die 26 % getrocknetes Kaninchenfleisch allein stehen für etwa 90 bis 105 Prozent Frischfleisch, das dafür eingesetzt werden musste.
Sind Innereien in der Kaninchen-Rezeptur enthalten?
Nein. In dieser Rezeptur wird ausschließlich Muskelfleisch verarbeitet. In anderen Rezepturen, zum Beispiel Lamm, kommen hochwertige Innereien zum Einsatz, was ernährungsphysiologisch sinnvoll sein kann. Deklariert ist es in jedem Fall.
Warum steht Hühneröl in einer Monoprotein-Rezeptur?
Hühneröl ist eine Fettquelle und enthält praktisch kein Protein. Kaninchen bleibt damit die einzige tierische Proteinquelle. Wenn dein Hund eine diagnostizierte Unverträglichkeit auf Huhn hat, besprich die Rezeptur trotzdem mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt.
Was bedeutet hydrolysiertes Fleisch?
Das Protein wurde enzymatisch in kleinere Bausteine zerlegt. Es ist dadurch sehr gut verdaulich und wird vom Immunsystem seltener als Allergen erkannt. Zusätzlich verbessert es die Schmackhaftigkeit des Futters.
Woran erkenne ich eine offene Deklaration?
Daran, dass hinter den Zutaten Prozentangaben stehen und einzelne Rohstoffe benannt sind, statt Sammelbegriffe wie "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse" oder "pflanzliche Nebenerzeugnisse". Weitere Antworten zu Zusammensetzung und Fütterung findest du in unseren häufigen Fragen.